| |
Das Portal zur Zeit (2) |
Ausgewogene Portaluhr Louis seize, um 1790. Weißer
und schwarzer Marmor mit feuervergoldeten Appliken. Im Sockel drei Motive
spielender Putten. Zifferblatt signiert „Dussuc à Lyon“ (vgl. Tardy,
Dict. S. 211), Pendulenwerk mit fadenaufgehängtem Pendel und Schloßscheibenschlagwerk.
H 58 cm, B 40 cm, T 12 cm. |
|
| |
Portaluhren
Der Vorliebe für französische Uhren folgte die Liebe zu
französischer Lebensart. Seine Einkaufsfahrten mit dem Wohnmobil durch
französische Landschaften gehörten für ihn und seine Frau
zum schönsten an der Sache. "Und dann das Abenteuer der Einkaufsmessen,
diese Deballage-Mentalität der Franzosen gibt es bei uns garnicht."
Ist denn das 18., das französische Jahrhundert der Schwerpunkt seiner
Tätigkeit? Hans Eichler grenzt ein: "Ich spreche von französischen
Großuhren, wobei das bei mir um 1680 beginnt und bis etwa 1900 reicht.
Man muß einfach für jeden Bedarf etwas haben. Es gibt zum Beispiel
den anspruchsvollen Sammler, ihm kann ein Stück nicht früh genug
sein. Und es gibt den Gelegenheitskäufer, der etwas Dekoratives für
seinen Kamin zu Hause sucht, dem es genügt, wenn die Uhr aus dem späten
19. Jahrhundert stammt." Portaluhren? Hans Eichler vermutet, daß die
Religieuse, ein Uhrentyp des 17. Jahr-hunderts, fast so eine Art Vorläufer
sein könnte. "Das Gehäuse wurde einem Kirchenportal nachempfunden.
Allerdings hat die Uhr mit den Portaluhren, wie wir sie hier vorstellen,
nichts zu tun." Allgemein verbreitet ist die Portaluhr im Klassizismus (etwa1770
- 1830). Bereits während der Regierungszeit Ludwig XV. (Louis quinze,
um 1730 - 1745 ) setzt auf den Gebieten der Kunst, Architektur oder Innenarchitektur
eine strengere Gestaltung ein, das Rokoko wird durch den frühen Klassizismus
(Neoklassizismus, Transistion, Louis seize, etwa 1760 - 1790) nach und nach
abgelöst. Bei Pendeluhren verdrängen Marmor und vergoldete Bronze
Holz als häufigstes Material. Die feuervergoldete Bronze entspricht
dem Zeitgefühl des 18. Jahrhunderts, alles muß licht sein und
glänzen. Der Aufbau allerdings folgt strengen architektonischen Vorgaben.
Stilistische Vorbilder geben die antiken Kulturen, die zum Beispiel durch
die Ausgrabungen in Pompeji oder Jahrzehnte später durch Napoleons
Ägyptenfeldzug populär wurden. So zeigen die Säulen der Portaluhren
kannelierte Pfeiler und enden in korinthischen Kapitellen zum strengen,
klassisch "griechischen" gout grec, oder ihre fein naturalistisch ausgearbeiteten
Ranken, Blüten- oder Blattgirlanden verbinden sich mit der Architektur
zur vorübergehenden Mode des gout étrusque, zur etruskischen
"Ausformung". |
| |

Empire Säulenpendule. Frankreich, um 1810. Zwei Bronzesäulen
auf ovalem Sockel. Uhrwerk mit Bronzeaufsatz und -bart (vgl.Tardy, Band
2 S. 306). Fadenaufgehängtes Motivpendel, Breguet-Zeiger. H 41 cm,
B 20 cm, T 11 cm. |